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“Neo Magazin Royale”: Zum Schluss noch mal schön selbstreflexiv

“Neo Magazin Royale”: Zum Schluss noch mal schön selbstreflexiv




Nach sechs Jahren und 42 Tagen ist Schluss mit Spartensender. Die 167. Ausgabe vom “Neo Magazin Royale”, sie sollte die “schönste Sendung” werden, zumindest war sie die “aller-aller-allerletzte Sendung”, die Jan Böhmermann auf ZDFneo moderierte. Ab Oktober 2020 ist “Böhmi” da, wo er schon immer hin wollte: im ZDF-Hauptprogramm. Dass das nur konsequent sei, daran ließ der 38-Jährige beim Abschied keine Zweifel: “Da gehöre ich hin”, sagte er.12: Die Highlights von Satire-Rambo Böhmermann – spoton_article_735149Unberechenbarkeit ist seine Kernkompetenz, das hat Böhmermann in den vergangenen sechs Jahren mehr als einmal eindrucksvoll bewiesen: Varoufake, Verafake, das Erdogan-Gedicht, Ibiza-Anspielungen, you name it. Und so war die Neugierde groß, ob der “Polizistensohn” in der letzten Sendung noch mal einen Knaller raushauen würde. Bei Böhmermann muss man, wie gesagt, mit allem rechnen.”Heute dreht sich alles um uns”Es kam anders: Grund zum Klagen hatte dieses Mal niemand. Böhmermann nutzte seinen Abschied für Selbstreflexion: Nabelschau statt Nachtreten. “Keine falsche Bescheidenheit, heute dreht sich alles um unsere Sendung”, so der Moderator. Dazu passte der unlustigste Hashtag der Woche seit Erfindung der Hashtags der Woche: #neomagazin.Doch statt sich ernsthaft in Lobhudeleien zu ergehen, disste Böhmi seine Sendung (“Sie fragen sich zu Recht: Wieso lief diese beschissene Sendung so lange?”, seine Autoren (“fette Sozialfälle, die nach Alkohol riechen”), lieb gewordene Figuren der Show wie “Photoshop Philipp”, den “Beefträger” und Erzähler William Cohn (“Du kommst nicht mit ins Hauptprogramm!”) – und auch sich selbst (“Ich bin Digitalsparten-Qualitäts-Entertainer mit drei Michelin Sternen”), noch dazu größtenteils singend. Die letzte Show “Neo Magazin Royale” im deutschen Fernsehen war wie die überdrehten Musicalfolgen der US-Sitcom “Scrubs”. Sogar ein A capella-Männerchor eilte herbei und fragte nach dem Verbleib von Ralf Kabelka. Irgendwann sah man den in der Kulisse der “heute show” neben Oliver Welke auf Asyl hoffen – vergeblich.Seitenhieb gegen Harald SchmidtBöhmermann selbst rappte ausnahmsweise nicht, er sang eine dunkel-getönte Ballade nach der anderen: Mal verabschiedet er sich theatralisch von seinem Studio-Mobiliar, mal teilte er gegen Ex-Kollegen wie Harald Schmidt aus: “Ich werde es wirklich sehr vermissen / euch hier bei Neo anzupissen / ich will nicht wie Harald enden, ich will auch mal was anderes senden.”klaas-lied 12.35In einem anderen Song behauptete er, der juristische Ärger sei “meistens egal” gewesen. Dass die vielen Auseinandersetzungen nicht spurlos an ihm vorbei gegangen sind, machte aber eine andere Szene deutlich. Im Telefonat mit dem “Herrn Scherzanwalt” fragte Böhmermann ihn: “Bin ich wirklich so doof und renitent oder bin ich nur in meiner Kunst einfach konsequent?” Dafür gab es vom Publikum Szenenapplaus.Viel Teamliebe von “Böhmi”Das Rampenlicht, es gehörte in der letzten Folge dem Team – auch, wenn “Böhmi” seinen Crewmitgliedern dauernd das Wort beziehungsweise den Gesang abschnitt: “Jan hat sein eigenes Klo / wir nicht mal ein Büro”, sang die Autoren-Crew mit Giulia Siegel. Ein armer, anonymer Mitarbeiter musste als “Grundi” Grundgesetz verkleidet steppen. “Captain Obvious” baumelte von der Decke und forderte zur Melodie von “Rock You Like A Hurricane” dass alle Sidekicks auch mit ins Hauptprogramm genommen werden sollten.Kurz vor Schluss verriet Böhmermann dann – überraschend unironisch – das Geheimnis der Sendung “die perfekte Verschmelzung von Ernst und Unterhaltung.” Ob man das beim großen ZDF genau so sieht? Der zukünftige Hauptprogramm-Moderator bat schon einmal im Vorhinein um Vergebung für mögliche rechtliche Auseinandersetzungen in der Zukunft: Er schmetterte Leonard Cohens “Hallelujah” in Originalfassung und kniete dabei vor einem Altar, der mit Bildern von ZDF-Intendant Thomas Bellut, Programmdirektor Norbert Himmler und der Vorsitzenden des ZDF-Fernsehrates, Marlehn Thieme, ausstaffiert war. “Wir sehen uns auf der anderen Seite”, rief Böhmermann zum Abschied.Im Abspann lauert der SchreckenDie lustigste Szene lief im Abspann: Die Kamera folgte dem Moderator, der sich in eine bereit gestellte Limousine fallen ließ. Darin wartete schon Kollege Domian – angeblich seit sechs Jahren “mit laufendem Motor”. Und Panflöte. Alte Neo-Hasen erinnern sich: Der Moderator tauchte auch schon in der 1. Folge auf dem Rücksitz auf. Noch panischer wurde “Böhmi” nur, als sich der Taxifahrer zu ihm umdrehte: ZDF-Allzweckwaffe Johannes B. Kerner. “Für mich könntest du der neue Steven Gätjen werden!”, sage der. Der Rest bei Böhmermann war nicht Herz und Faust und Zwinkerzwinker, es war Schreien.



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Publish date : 2019-12-13 05:48:38

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